Experteninterview mit Mammut

Immer mehr Skifahrerinnen und Skifahrer suchen ihr Schneeabenteuer abseits der markierten Pisten. Damit steigt auch der Bedarf an Lawinensicherheitsausrüstung mit Airbag, Schaufel, Sonde und Lawinenverschütteten-Suchgeräten (LVS) sowie an Wissen, um den richtigen Umgang damit. Sind am Berg noch andere elektronische Geräte im Gepäck, gibt es in Kombination mit LVS-Geräten lebenswichtiges zu beachten. Alexander Weijnman, Head of Avalanche Safety bei Mammut räumt mit den größten Irrtümern auf und erklärt, worauf es wirklich ankommt.

Mythen vs. Fakten: Alexander, was ist denn die gängigste Fehlannahme in Sachen Elektronik und Lawinensicherheit?

Viele wissen, dass es im Zusammenspiel von Handy und LVS-Gerät zu Problemen kommen kann. Ein Mythos ist aber definitiv, dass es reicht, das Handy in den Flugmodus zu stellen. Das bringt nichts. Es ist nämlich nicht die Funkverbindung, die das Problem darstellt, sondern das elektromagnetische Feld, das erzeugt wird, wenn Strom im Mobiltelefon fließt. Das gilt übrigens für jedes elektronische Gerät, in dem Strom fließt. Dessen elektromagnetisches Feld stört das Feld des LVS-Geräts. Beim Smartphone sind es vor allem das Display und die Kamera, die mit Abstand am meisten Störungen verursachen. Man muss also das Handy ganz ausschalten oder auf genügend Abstand zum LVS-Gerät achten.

Wie viel Abstand braucht es denn, damit ein LVS-Gerät uneingeschränkt funktioniert? 

Es gilt die 20/50-Regel. Es braucht im Sendemodus des LVS-Geräts mindestens 20 Zentimeter Abstand von allen elektronischen Komponenten und im Empfangsmodus beim Suchen mindestens 50 Zentimeter. An dieser Grundregel wird sich in Abstimmung mit anderen Herstellern in näherer Zukunft nichts ändern.

Porträt

Worin besteht deiner Meinung nach die größte Herausforderung im sicheren Umgang mit Lawinensicherheitsausrüstung und Elektronik? 

In der bisher mangelnden Sensibilisierung für das Thema elektromagnetische Interferenz. Seit Jahren ist bekannt, dass das Mobiltelefon ein Problem darstellen kann, aber damit hört das Wissen meist auf. Was aber ist mit beheizten Handschuhen? Dort wickeln sich metallische Drähte um die Hand, in denen man das LVS-Gerät hält. Der Effekt ist dem eines faradayschen Käfigs ähnlich, der alle Signale abschirmt. Bei der Feinsuche, wenn man nahe am Boden ist, können beheizbare Socken oder Skischuhe einen geringen Einfluss auf das Gerät haben. Smartwatches können eine weitere Störquelle sein, wenn sie an derselben Hand getragen werden, wie das LVS-Gerät. Heutzutage gibt es auch beheizte Jacken oder Jacken, in die eine Wärmeschutzfolie eingearbeitet ist. Auch damit kann ein Signal gestört oder ganz geblockt werden. Ebenso sollte man auf genügend Abstand zu Metallschnallen am Rucksack achten, übrigens auch beim ständigen Tragen des LVS-Geräts.

Worauf muss man beim Tragen des LVS-Geräts sonst noch achten, um im Falle einer Verschüttung von Ersthelfenden gefunden werden zu können? 


Auf sendende Geräte haben elektromagnetische Interferenzen weniger Einfluss. Man sollte sein LVS-Gerät und andere elektronische Geräte trotzdem immer so am Körper verstauen, dass sie nie direkt aufeinander zu liegen kommen. Auch dann nicht, wenn man in einer Lawine ordentlich durchgewirbelt wird. Wenn das LVS-Gerät also im Tragesystem auf der Brust oder in der Hosentasche und andere elektronische Geräte oder metallische Gegenstände hinten im Rucksack verstaut sind, bleibt es in der Regel bei 20 Zentimetern Abstand. Eine GoPro oder ein Funkgerät sollte also auch nie an der Brust angebracht werden. Genauso wenig gehört ein Energieriegel, Powergel oder Schokolade, die in metallische Folie verpackt sind, in die Bauchgurt- oder Hosentasche.

Lawinensicherheit von Mammut